Wie sich der FC Alanya gegen sein negatives Image wehrt Vural Ekinci fordert härtere Gangart gegen Gewalttäter

FC Alanya Essen 1990 e.V. wsi-imageoptim-presse_waz1-1024x574 Wie sich der FC Alanya gegen sein negatives Image wehrt

Vural Ekinci ist Vorsitzender des Essener Kreisligisten FC Alanya. Dieser sorgte nach einem Spielabbruch jüngst für negative Schlagzeilen. Ekinci fordert vom Verband eine härtere Gangart gegen Gewalttäter.

„Gewalt hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen. Bei uns stehen Respekt und Höflichkeit ganz weit oben auf der Agenda.“ Das sagt Vural Ekinci, Vorsitzender des FC Alanya. Ja, der erste Mann jenes Kreisligisten, der sich beim Essener Sportbund (Espo) den zweifelhaften Ruf erworben hat, ein Prügelclub zu sein und der deshalb kurz vor dem Rauswurf stand. Eben deshalb muss sich Vural Ekinci unangenehmen Fragen stellen: „Sponsoren rufen mich an und fragen, was ist denn bei euch los“, erzählt der 35-Jährige. Denn was in den vergangenen Wochen über den FC Alanya zu lesen war , will so gar nicht zum selbstformulierten Anspruch eines respektvollen und höflichen Umgangs passen.

Das Gegenteil war der Fall, als der Schiedsrichter Ende Oktober ein Spiel der ersten Mannschaft abbrach, weil Alanya-Spieler auf dem Platz aufeinander losgingen. Schönzureden gebe es da nichts, sagt Ekinci, der sich und seinen Vorstandskollegen zugute hält, so schnell wie möglich Konsequenzen gezogen zu haben. „Vier Tage nach dem Vorfall haben wir darüber zusammen gesessen. Am nächsten Tag haben wir die Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückgezogen.“ Ekinci deutet an, dass es schon vorher Ärger gab. Vereinsintern. „Von denen spielt für uns keiner mehr.“ Andere Vereine seien da weniger konsequent.
Vereine schlecht geführt

Nach Angaben des Fußballkreises Nord-West ist der FC Alanya seit 2009 ein gutes Dutzend Mal auffällig geworden. Um das Image des Kreisligisten aus Altendorf steht es gelinde gesagt nicht zum Besten. Vural Ekinci und seine Mitstreiter sind, wie er selbst sagt, angetreten, um den ramponierten Ruf des Clubs wieder aufzupolieren. Seit fünf Monaten sind sie im Amt. „Nach dem Abstieg in die Kreisliga C stand der Verein vor der Auflösung. Wir haben hier quasi bei Null angefangen. Nun wollen wir versuchen etwas Positives aufzubauen.“

Ekinci spielt seit Kindestagen Fußball, stand als Jugendlicher auf dem Sprung nach oben, bis ihn eine Verletzung zurückwarf. „Danach ging es bergab“, erzählt er ohne Wehmut. Seinen Weg hat er gemacht. Ekinci ist Wirtschaftsprüfer von Beruf. „Heute spiele ich Fußball, weil es Spaß macht.“

Das ist nicht immer der Fall, gerade in den unteren Spielklassen wie sich Wochenende für Wochenende zeigt. Kaum ein Spieltag vergeht ohne einen Spielabbruch. Dem Eindruck, dass häufig Migranten-Vereine oder Spieler mit Migrationshintergrund beteiligt seien, könne er nicht widersprechen, sagt Ekinci. Seine Erklärung: Vereine seien schlecht geführt. Werte wie Respekt und Fairplay würden von den Verantwortlichen nicht vorgelebt. Oft stünde allein der sportliche Erfolg über allem.
Fußball als Eintrittskarte in die Gesellschaft

Dass der Espo gemeinsam mit den Fußballkreisen eine härtere Gangart einschlägt gegen Gewalttäter und gegen Vereine, die nicht entschlossen genug gegen die Täter vorgehen, sei richtig. Ja, es sei längst überfällig. Auch die Sportgerichtsbarkeit müsse härter durchgreifen. Geldstrafen seien zu gering, sagt Ekinci. Dass ein Spieler, der einen anderen niedergestreckt hat, nach ein paar Monaten wieder auf dem Platz steht – so etwas dürfe es nicht geben.

„Wir wollen positive Werte vorleben“, sagt der 35-Jährige. Denn Fußball könne eine Eintrittskarte in die Gesellschaft sein. „Mit unseren ausländischen Wurzeln können wir anderen dabei helfen.“ Aktuell steht die verbliebene Mannschaft des FC Alanya auf Platz eins der Tabelle. Dass es für sein Team bislang weder eine gelb-rote noch eine rote Karte gegeben habe, darauf ist der Vereinschef stolz.

Marcus Schymiczek

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